Weg mit dem Ärger in eine Kiste – hilfe-fuers-kind.de

Weg mit dem Ärger in eine Kiste

Micha ist richtig sauer. Seine Hände verschränkt er vor der Brust. Böse schaut er mich aus seinen Augen an.

„Was ist los?“ – „Grmpfml.“ – „Ich sehe, du bist ja richtig wütend. Oder sauer. Hm, vielleicht bist du auch entt

äuscht?“ – „Sauer,“ presst Micha hervor. Sein dunkles Gesicht wird noch dunkler, röter. „Du bist ja richtig sauer. Willst du mir sagen, warum?“ – „Meine Schwester hat heute morgen mein neues T-Shirt angemalt.“ – „Da wäre ich auch sauer. Was machen wir denn jetzt gerande mit dem Ärger? Möchtest du, dass wir ihn kleiner machen oder erstmal wegpacken, damit du gleich wieder eine schöne Zeit mit deinen Freunden hast?“ – „In eine Kiste packen.“

Häufig dann, wenn ein Kind sich gerade in einem sogenannten „Stuck-State“ befindet, d.h. in seinen Gefühlen „gefangen“, festgefahren ist, versuche ich, ihm z.B. durch Teilchen- Arbeit herauszuhelfen. Quasi als Erst- Hilfe. Denn in diesem Moment, in dem hier z.B. Micha noch so sauer ist, kann er keine Lösung für das Problem finden. Er kann sich so auch nicht auf das fokussieren, was gerade ansteht – sei es, mit Freunden zu spielen, schöne Zeit zu genießen oder zu lernen (was er sonst vielleicht auch gerne macht). Er ist „stuck“, eingerostet, gefangen, bewegungslos. Um ihn aus diesem „State“, diesem Zustand herauszuholen, braucht es Unterstützung. In diesem Fall von mir – bis er irgendwann gelernt hat, sich selbst aus solchen Zuständen zu befreien.

In meiner Arbeit bin ich dabei auf „die Kiste“ gestoßen. „Die Kiste“ kommt immer dann zum Einsatz, wenn ein Kind gerade total eingenommen von seinen Gefühlen ist. Es schnelle Hilfe braucht. Wichtig: Streit oder die Auslöser für dieses Gefühl sollen damit nicht gelöscht oder ignoriert werden. Nur um mit ihnen arbeiten zu kö

nnen oder gemeinsame Lösungen für ein Problem zu finden, muss das Kind erst einmal wieder bereit dazu sein.

Wie funktioniert „die Kiste“?

  1. Wichtig ist ein ruhiger, geschützter Rahmen. Manchmal reicht es, sich etwas abseits zu stellen. Bei uns ist es häufig das Sofa im hinteren Teil des Klassenzimmers. Manchmal ist es auch notwendig, in einen anderen Raum zu gehen.
  2. Das Kind in seinen Gefühlen spiegeln: „Ich sehe, du bist…“, „Ich fühle, du bist…“, „Du hörst dich… an“ (je nach bevorzugtem Kanal des Kindes).
  3. Abwarten, ob sich das Kind darauf einlässt und das Gefühl benennen kann.
  4. Frage danach, ob es etwas ändern möchte: „Möchtest du, dass wir das Gefühl kleiner machen oder erst einmal wegpacken?“
  5. Den Ort des Gefühls finden: „Wo ist das Gefühl? Hier oder hier?“ (Zeigen auf den Körper), Reaktion des Kindes abwarten.
  6. „Möchtest du mir das Gefühl mal hergeben, in meine Hände?“ Dabei halte ich meine Hände vor die Hände des Kindes, meist zu einer Schale geöffnet, als ob etwas in meine Hände fließen kann.
  7. „Lass mal das Gefühl in meine Hände fließen. Ich fange es auf.“ – Das Kind reicht mir seine Hände und gibt das Gefühl körperlich ab. Manchmal unterstütze ich, indem ich die Schale mit einer Hand weiter halte, mit der anderen über die Arme des Kindes das Gefühl abstreiche.
  8. „Welche Farbe hat das Gefühl? Wie sieht es aus?“ – Wichtig ist, dass sich das Kind eine Virstellung des Gefühls macht. Je nach bevorzugtem Kanal: „Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an? Hat es einen Ton?…“ – Wenn sich ein Kind damit schwertut, hilft es, Alternativen anzubieten: „Ist das Gefühl blau oder rot? – Ist es weich oder hart…“
  9. Im Fall von wegpacken: Gemeinsam festlegen, wohin: in eine Kiste, einen Sack, ein Glas…? (Was auch immer zum Kind passt)- „Wo soll das Gefühl jetzt hin? Sollen wir es in eine Kiste packen?“ – Bei ja: „Eine aus Holz oder Metall, wie soll die Kiste aussehen/ sich anfühlen…“ – Wichtig ist auch hier, das Bild gut auszubauen.
  10. „Okay, dann baue ich jetzt diese Kiste“ – Mit den Händen und einem Geräusch baue ich imaginär eine Kiste um das Gefühl herum. – Manchen Kindern hilft es auch, eine reale Kiste/ Schachtel/ Tasche etc zu nehmen, und das Gefühl dort hinein zu geben.
  11. Zum Abschluss: „Was machen wir jetzt mit der Kiste?“ – Einen Deckel, ein Sril, eine Kette etc anbieten, die man imaginär um die Kiste schlingt… der kindlichen Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Wichtig: Das Kind wird gefragt – und entscheidet nach seinem eigenen Gefühl, was für es selbst stimmig ist. Außerdem: Was soll mit der Kiste passieren (in eine Ecke, zum Mond schießen, nachher wieder an der Tür abholen, das Gefühl verwandeln…)?
  12. Sobald das Gefühl weggepackt ist, ändert sich meist der Ausdruck des Kindes. Wenn nicht, es weiter unterstützen – z.B. ab hüpfen (als Erwachsener mithüpfen, zu einem guten Lied tanzen, sich abstreichen, ab aufs Trampolin, einen Witz machen, das Kind so lange angrinsen bis es selbst grinst…)

Meine Erfahrungen: Durchweg positiv. Seid kreati

v, lasst die Kinder kreativ sein. Und vertraut darauf: Jede und jeder hat alles in sich, um mit jeder Situation umzugehen – da dürfen wir den Kids gerne vertrauen!

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Caroline Göhring
 

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